Karin Finkenzeller
Amputierte Beine, zertrümmerte Rücken, ein verlorenes Augenlicht: In der westukrainischen Stadt leben viele Kriegsversehrte. Jetzt macht sie ihre Altstadt zugänglicher – und wird damit zum Vorbild für deutsche Städte.
Die Berichterstattung über Osteuropa stärken: Das ist die Idee hinter dem „Recherchepreis Osteuropa“. Er wird von der evangelischen Aktion Hoffnung für Osteuropa und der katholischen Aktion Renovabis vergeben. Kooperationspartner ist das europäisches Journalismus-Netzwerk n-ost. Mit dem Geld werden zeitintensive Recherchen zu Sozialreportagen aus den Ländern Mittel-, Südost- und Osteuropas ermöglicht. Ziel ist, den Alltag der Menschen in den Blick zu nehmen, den Umgang mit gesellschaftlichen Umbrüchen zu thematisieren und die Lebensumstände von Randgruppen zu zeigen.
Die Preisträgerinnen des diesjährigen Recherche-preises Osteuropa stehen fest. Ein gemeinsames Rechercheprojekt der Journalistin Lucia Steinwender und der Fotografin Sanja Knežević konnte die Jury aus renommierten Journalistinnen und Journalisten sowie Vertretern der ausschreibenden Organisationen überzeugen.
Im Zentrum ihrer Recherche steht die Situation von Arbeiterinnen in der serbischen Autozulieferindustrie. Zehntausende Beschäftigte produzieren dort Komponenten für deutsche Automobilkonzerne – vielfach unter prekären Bedingungen und für niedrige Löhne. Besonders Frauen arbeiten häufig am Fließband, sind von gesundheitlichen Belastungen betroffen und haben kaum Möglichkeiten, ihre Rechte durchzusetzen. Die beiden Preisträgerinnen gehen der Frage nach, inwiefern deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung entlang der Lieferketten gerecht werden.
Die Journalistin Lucia Steinwender arbeitet seit mehreren Jahren als freie Autorin unter anderem für Hörfunkformate und Printmedien in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die serbische Fotografin Sanja Knežević ist international tätig und veröffentlicht ihre Arbeiten in renommierten Medien wie The New York Times, National Geographic oder Die Zeit.
„Mit ihrem Projekt machen die Preisträgerinnen sichtbar, unter welchen Bedingungen Menschen in unserer Nachbarschaft in globalen Lieferketten arbeiten und welche Herausforderungen es bedeutet, Arbeitsrechte durchzusetzen. Gleichzeitig rücken sie die Perspektiven von Frauen in den Mittelpunkt, deren Arbeit für die europäische Industrie unverzichtbar ist“, erklärt Jury-Mitglied Matthias Dörr, Leiter der Inlandsabteilung bei Renovabis.
Infos zur Bewerbung für den Recherchepreis Osteuropa 2027 folgen in Kürze.
Amputierte Beine, zertrümmerte Rücken, ein verlorenes Augenlicht: In der westukrainischen Stadt leben viele Kriegsversehrte. Jetzt macht sie ihre Altstadt zugänglicher – und wird damit zum Vorbild für deutsche Städte.
Der Sewansee spendet Armenien Wasser, Energie, Leben und Touristen. Doch nach Jahrzehnten der Ausbeutung und Verschmutzung ist seine Zukunft ungewiss.
| 2024 | Emilia Sulek & Danil Usamnov | Nur die Entschlossensten bleiben in Wilschany | |
|---|---|---|---|
| 2024 | Anna Alboth & Nadine Wojcik | Aus Frauensicht: Alltag an der polnischen EU-Außengrenze | |
| 2023 | Irina Peter | Kleine Schritte in Armenien | |
| 2023 | Kolja Haaf | Wenn Adler flügge werden | |
| 2021 | Stefan Schocher & Matthias Schumann | Verteilung von Corona-Impfstoff – ein Werkzeug der internationalen Politik? | |
| 2020 | Nathalie Bertrams & Ingrid Gercama | Schneeglöckchen aus Georgien | Dokumentation Arte |
| 2019 | Robert Putzbach, Johanna-Maria Fritz und Philip Jokić | Sozialreportage: Brain-Drain von Pflegekräften aus Serbien und Bosnien-Herzegowina | |
| 2019 | Julia Lauter & Holger Fröhlich | Kinder des Umbruchs | TAZ |
| 2018 | Martin Theis & Fabian Weiss | Tropfen auf den heißen Torf | Greenpeace-Magazin |
| 2017 | Oliver Bilger & Ekaterina Anokhina | Die Überlebenden von Majak | Cicero, NZZ, ostpol |
| 2017 | Olivia Kortas | Ungarn - Wenn Rechtspopulisten regieren | Frankfurter Rundschau |
| 2016 | Simone Brunner & Florian Bachmeier | Jugend in Trümmern | |
| 2016 | Merle Hilbk & Andrey Sosnin | Je weniger man weiß, desto besser schläft man | |
| 2015 | Inna Hartwich | Arbeitsmitgranten in Moskau | |
| 2015 | Diana Laarz & Fabian Weiss | Putin ante Portas | |
| 2015 | Astrid Viciano | Nach der Stille |
Der Recherchepreis Osteuropa ist eine Kooperation von Renovabis, der Diakonie Württemberg/Hoffnung für Osteuropa und n-ost. Diese drei Partner vereinen ihre Kräfte, um die Berichterstattung über Osteuropa zu fördern und zu unterstützen.
Die Jury des Recherchepreises Osteuropa setzt sich aus renommierten Experten und Expertinnen zusammen, die über fundiertes Wissen und langjährige Erfahrung in der Osteuropa-Berichterstattung verfügen.
Die Welt ist unübersichtlich geworden. Deshalb wird es immer wichtiger, genau hinzusehen – gerade dort, wo es an Aufmerksamkeit mangelt, obwohl sie so wichtig ist. Das gilt auch und gerade für Osteuropa. Der Recherchepreis ermöglicht Geschichten, die es wert sind, von Reporterinnen und Reportern erzählt zu werden.
Um den Recherchepreis bewerben sich immer wieder JournalistInnen mit großer Kenntnis und überraschenden Ideen. Sie werfen ein Licht auf oft nicht beachtete, aber für ganz Europa wichtige Probleme - und suchen vermehrt nach konstruktiven Lösungen. Es macht viel Freude, in der Jury fair abzuwägen, welches Projekt den größten Erkenntnisgewinn für die MediennutzerInnen bringen könnte.
Mich faszinieren besonders die kleinen Geschichten aus dem Osten Europas mit engagierten Protagonistinnen und Protagonisten. Diese sagen viel über die gesellschaftlichen und sozialen Realitäten aus, zu denen der Recherchepreis Zugänge eröffnet.
Für Themen aus Osteuropa interessieren sich junge Journalisten, die das Schwierige und Widerständige anzieht. Der Recherchepreis lenkt den Blick auf diese wichtige Region, fördert Verständnis, Kooperation und ermöglicht sonst evtl. nicht realisierbare, wertvolle Berichte. Es ist eine Ehre, in der Jury zu sitzen.
Der für viele überraschende russische Überfall auf die Ukraine hat einmal mehr gezeigt: Wir wissen viel zu wenig über das, was im Osten Europas los ist. Der Recherchepreis fördert nicht nur die Berichterstattung über Themen, die sonst kaum Aufmerksamkeit erfahren. Er unterstützt auch die Zusammenarbeit zwischen Journalist:innen aus EU- und Nicht-EU-Ländern. Das ist genau die Art von Journalismus, die wir in Europa brauchen.
Unser Engagement ist gelebte Solidarität in einem Europa unterschiedlicher Voraussetzungen, Ereignisse und Lasten. Der gemeinsam vergebene Recherchepreis eröffnet dafür immer neue Perspektiven.
In Zeiten schwindender Solidarität lenkt der Recherchepreis Osteuropa den Blick auf die Schwächsten, die Vergessenen, aber auch: auf jene, die das nicht hinnehmen wollen. Zu den Bewerbern gehören viele starke, dem Humanismus und der Wahrhaftigkeit verpflichtet Projekte. Diese Jury ist ein Vergnügen.
Bei Fragen zum Recherchepreis Osteuropa oder zur Einreichung Ihrer Bewerbung, wenden Sie sich bitte an: